Landesverband für Amphibien- und Reptilien-Schutz in Bayern e.V.

Sumpfschildkröte, Feuersalamander, Ringelnatter, Springfrosch, Zauneidechse

Wiederanlage zweier Wechselkröten-Laichgewässer
auf der Oberwiesenalm (Chiemgauer Alpen, Oberbayern)

Maßnahmen zur Verbesserung der Reproduktionsmöglichkeiten

Das Gesamtgebiet umfasst sieben Almen, von denen aber aufgrund der Gewässer­situation nur drei grundsätzlich als Laichstandorte der Wechselkröte in Frage kommen:

  • Oberwiesenalm: zwischen 1999 und 2007 wurden 11 Gelege gezählt. Damit ist die Oberwiesenalm das zentrale Laichhabitat im Untersuchungsgebiet.
  • Riesenalm: Zwischen 1983 und 1998 regelmäßige Gesangsaktivitäten, 2001 Laichnachweis, seither nur noch Einzeltiere.
  • Pölcheralm: 2006 eine verpilzte Laichschnur.

Es spricht alles dafür, dass die Population auf der Oberwiesenalm die einzige dauer­hafte ist und die Teilpopulationen auf der Riesenalm und der Pölcheralm von dort aus besiedelt worden sind. Über die Bestandsgröße dieser Teilpopula­tionen sind keine konkreten Aussagen möglich. Da Reproduktion in dieser Höhenlage (1350 m ü. NN) seltener stattzufinden scheint als auf der Ober­wiesen­alm (1150 m ü. NN), dürften die dortigen Teilpopulationen nicht ohne gele­gent­liche Zu­wanderung von der Oberwiesen­alm überlebt haben können. Es war daher geboten, Laichgewässer für die Wechsel­kröte auf der Oberwiesen­alm anzulegen.

Im Lichtweidebereich der Oberwiesenalm bestehen zehn Laich­gewässer bzw. Laich­gewässerkomplexe, von denen die Wechselkröte aber nur zwei genutzt hat. Es ist zu vermuten, dass dies mit dem zu geringen pH-Wert der übrigen Gewässer zusammenhängt.

Anlage der Gewässer (Oktober 2011)

An Baustellenvorarbeiten erfolgte zunächst der Materialantransport vom Anliefe­rungs-/ Zwischenlagerplatz, einem Wendeplatz der Forststraße, bis zu Oberwiesenalm. Neben den Baumaschinen wurden mit kleinen Traktorladungen 100 Sack Zement, 8m³ Betonkies und 3m³ gewaschener Abdeckschotter hoch­gefahren.

Zur Herstellung der zwei dauerhaften Laichgewässer (betongeschützte Folien­tümpel mit naturnaher Schotterabdeckung) wurden uhrglasförmige Kuhlen mit flacher Ufer­neigung und 0,45m Maximaltiefe mit einem Minibagger aus­ge­ho­ben. Die Feinmodel­lierung erfolgte von Hand und die Verdichtung des Gewäs­ser­unter­grunds mit einer Rüttelplatte, um spätere Setzungen zu vermeiden. Die Teichfolie wurde zum Schutz von unten auf Schutzvlies ausgelegt. Der Beton für die abdeckende Schutzschicht musste auf der Alm mit einem Zwangs­mischer hergestellt wer­den. Damit er der Tritt­belastung des Weideviehs stand hält, wurde Glasfaser-Estricharmierung bei­ge­geben und der Auftrag erfolgte mit einer Schichtstärke von 15cm (Verteilung von Hand). Der Außenrand der Betonschale wurde auf Höhe des Maximal­wasserstandes ausnivelliert und eine Kapillarsperre gegen­über dem umgebend anstehenden bzw. geschütteten Substrat eingebaut. Hierzu wurde am Beton­rand die Teichfolie senkrecht hochge­klappt, von außen durch Kies­anschüt­tung fixiert und — aus optischen Gründen — ca. 1cm unter­halb der Bodenoberfläche abgeschnitten.

Um die Oberfläche ansprechender zu gestalten, wurde auf den frisch-feuchten Beton eine dünne Deckschicht gewaschener Schotter gemisch­ter Körnung auf­geworfen und zur besseren Haftung mit einer Schaufel in die Beton­oberfläche eingeklopft bzw. mit Betonierschuhen eingetreten. Zum Schutz des künftigen Weiheruntergrundes wurden die Tümpel vorübergehend mit Folie abgedeckt, damit einerseits vor dem Abbinden des Betons keine Austrocknung der Ober­fläche eintrat und andererseits Regen daran gehindert wurde, den Zement aus der Betonoberfläche vor deren Aushärtung auszu­waschen. Zum Abschluss er­folg­ten die nivellierenden Erd­arbeiten im baulich bean­spruch­ten Randbereich der Tümpel. Die Abdeckfolie verblieb 3 Wochen.


Wechselkröte (Jungtier) auf der Oberwiesenalm (Foto: E. Andrä)

Die beiden auf der Oberwiesenalm neu ange­legten Gewässer (oben LG 1, unten LG 2) im Sommer 2012. Beide werden vom Vieh gerne als Tränke angenommen. (Fotos: E. Andrä)

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Text: E. Andrä und H.-J. Gruber
Redaktion: Th. Dürst
letzte Aktualisierung: 7. Februar 2013