Landesverband für Amphibien- und Reptilien-Schutz in Bayern e.V.

Sumpfschildkröte, Feuersalamander, Ringelnatter, Springfrosch, Zauneidechse

Artenhilfsmaßnahmen für die Gelbbauchunke
im Altlandkreis Neuburg an der Donau

Ausgangssituation

Bestandserfassungen der Gelbbauchunke lagen aus dem Gebiet aus den Jahren bis 1992 und 2003 vor. Bezogen auf die Anzahl der Vorkommen (Tümpel oder Tümpel­komplexe, Pfützen, Fahrspuren) zeigte sich keine wesentliche Verände­rung in diesem Zeitraum:

  • Bestand 1992: 70 Vorkommen (Kartierung K.-H. Schaile)
  • Bestand 2003: 76 Vorkommen (Kartierung E. Krach)

Zum Vergleich:

  • Bestand 2010 (im achten Jahr der Hilfsmaßnahmen):
    90 Vorkommen, meist mit Reproduktion (Kartierung K.-H. Schaile)
  • 2012 konnte ich noch einige bisher mir unbekannte Biotope auffinden. Zudem sind wieder weitere Biotopneuanlagen entstanden. 2012 waren mir somit 116 Biotope bekannt.
  • 2013 gibt es im Landkreis Unken an 120 Stellen — die aber i.d.R. meist mehrere Tümpel oder Pfützenbereiche umfassen können.
  • 2014: 125 Vorkommen (Schaile aktuell, i.d.R. mit Reproduktion)

Entscheidend zur Einschätzung der realen Situation ist nicht nur die Zahl der Vor­kom­men. Zu berücksichtigen sind auch die Altersstruktur und die Größe der Vorkommen, die Reproduktionsrate und das Angebot an tatsächlichen Laich­gewässern. Bei der Betrachtung dieser Faktoren zeigte sich, dass die Situation der Gelbbauchunke äußerst kritisch war:

  • 2003/2004 befanden sich die Populationen im Landkreis auf dem Tiefpunkt.
  • Im Jahr 2005 erwiesen sich die Vorkommen oft als sehr individuenarm (oftmals nur einzelne oder wenige Tiere) und überaltert. Es wurden nur ca. 1.000 Hüpferlinge gezählt. Viele Gewässer trockneten vorzeitig aus, so dass hier keine Reproduktion möglich war.

Maßnahmen zur Bestandserhaltung waren daher dringend geboten, um die Art im Landkreis langfristig zu halten.

Im Altlandkreis Neuburg an der Donau sind Vorkommen der Gelbbauchunke nur im geomorphologischen Bereich des südlichen Frankenjura zu erwarten; andere Bereiche waren für die Art schon früher nicht geeignet. Artenhilfsmaßnahmen konnten sich daher auf diesen Bereich beschränken. Gerade dieser Bereich sollte daher mit Biotopen für die Art „aufgewertet“ werden, da auch dort bereits Lücken entstanden waren.


Ursachen der Bestandsrückgänge

  • Gewässerregulierungen
  • Sommertrockenheit
  • Drainagen in Wiesen einschließlich Verrohrung von kleinen Wiesengräben
  • Verfüllungen von Wagenspuren, kleinen Gräben und Pfützen
  • Industrielle Landwirtschaft (vor allem Maisanbau)
  • Geänderte Abbaumethoden (z.B. von Kies und Sand)
  • Fehlende Beweidung oder auch zu intensive Beweidung (Weidetiere trinken die Biotope aus)
  • Auflösung von Truppenübungsplätzen (fortschreitende Sukzession)
  • Vernichtung von Strukturvielfalt (mittlerweile auch im Wald durch Zertifizierung FSC und falsch verstandenen „Bodenschutz“)

und mit ganz entscheidend:

  • Beseitigung von „Störstellen“ im Wald (entstanden z.B. nach dem Einsatz von Rücke­zügen oder Harvestern — Verfüllung von Fahrspuren mit Reisig, Holz oder sonstigem Abfall)
  • Entstehung von Störstellen — und damit von Unkenbiotopen — wird aktiv vermieden!
  • Mangelnde bzw. fehlende Artenkenntnisse und „Sauberkeitswahn“ (auch bei Naturschützern)

Artenhilfsmaßnahmen ab 2006

  • Optimierung bestehender Tümpel: Gehölze entfernt und ggf. leicht tiefer gelegt.
    Solche Arbeiten sind immer mit dem Risiko verbunden, dass die Tümpel ent­weder zu tief und zu groß werden oder dass ggf. die wasserführende Schicht durchstoßen wird. Besser für die Unke ist daher:
  • Anlage neuer Tümpel/Pfützen und Tümpelkomplexe mit Hilfe eines Radbaggers
  • Pflege der Tümpelkomplexe, ggf. jedes Jahr
  • Ermutigung von Förstern, Störstellen zu tolerieren und auch mal wieder neu entstehen zu lassen
  • Überwachung der Reproduktion; ggf. Laichgewässer neu nachbaggern, um „besseren“ Rohboden zu schaffen.

Die Durchführung erfolgte und erfolgt durch und mit Unterstützung von:

  • Zweckgebundenen Spendengeldern — z.B. von der PSD Bank München eG und Alnatura
  • Bund Naturschutz, Kreisgruppe Neuburg-Schrobenhausen, mit Zuschüssen der Regierung von Oberbayern (70%) und Vorfinanzierung durch den BN bzw. Über­nahme der restlichen 30% Kosten
  • Bundesforstamt Stockdorf, Forstrevier Keltenwall (Eigenmittel/Landratsamt/Bund Naturschutz)
  • Bayerische Staatsforsten, Forstbetrieb Kaisheim
    (Eigenmittel/Bund Naturschutz)
  • Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes Neuburg-Schrobenhausen (Regierung und Eigenmittel des Landratsamtes)
  • Privatwaldbesitzer (Freiherr von Redwitz) — Mittel der Regierung und Eigenmittel
  • Studienseminar Neuburg (Eigenmittel Wegebau)
  • Firma Hoffmann Mineral (Biotoppflege und Biotopanlage in Eigenregie nach alljährlicher Beratung und gemeinsamer Begehung durch Dr. Ernst Krach, Karlheinz Schaile und Manfred Hoffmann)

Flächen zur Durchführung der Maßnahmen wurden von verschiedenen Firmen, Behörden, Institutionen etc. zur Verfügung gestellt:

  • Grubenflächen — in großem Stil durch die Fa. Hoffmann Mineral (Eigenmittel) auf Anregung des Bund Naturschutz und Eigeninteresse
  • Staatsgutflächen Straß-Moos (Wiese/Kiesgrube) — Genehmigung an Bund Naturschutz (Mittel Regierung und Bund Naturschutz)
  • Gemeindeflächen (Rennertshofen, Oberhausen, Neuburg, Burgheim, Bergheim) — Genehmigung — Mittel über Regierung/Landratsamt/Bund Naturschutz
  • Rechtlerflächen — Genehmigung — Mittel über Regierung/Bund Naturschutz
  • Landkreisflächen — Genehmigung — Mittel über Regierung/Bund Naturschutz
  • Flächen des Straßenbauamtes Ingolstadt (Eigenmittel/Mittel des Bund Naturschutz)
  • Kirchengrundstücken — Genehmigung — Mittel über Regierung/Bund Naturschutz
  • Flächen von Privatpersonen und Bund Naturschutz-eigenen Flächen — Genehmigung — Mittel über Regierung/Bund Naturschutz

Erfolge in den Jahren 2006 bis 2014

Durch die genannten Maßnahmen konnte die Zahl der Hüpferlinge deutlich erhöht werden:

  • 2005: ca. 1.000 (Vor Beginn der Maßnahmen)
  • 2006: ca. 2.000
  • 2007: ca. 5.000
  • 2008: ca. 3.000
  • 2009: ca. 5.000
  • 2010: über 5.000
  • 2011: über 6.000
  • 2012: ca. 4.550
  • 2013: ca. 3.605
  • 2014: ca. 4.930

Wahrscheinlich waren es aber jeweils etliche Exemplare mehr, da ich sicher auch immer noch Vorkommen/Tiere übersehen habe. Zudem verteilen sich die Hüpferlinge sehr schnell in der Umgebung. Eine Schätzung ist daher oftmals nur schwer möglich und m.E. meistens zu niedrig angesetzt.

2009, 2010, 2011 und 2014 waren sehr nasse Jahre; in diesen Jahren konnten Unken in allen Größenklassen zahlreich gefunden werden.

2010: Eine Zählung und Schätzung der adulten Gelbbauchunken ergab einen Bestand von ca. 2.800 adulten Tieren an 90 + max. 15 Stellen (die ich nicht kenne bzw. über­sehen habe) im Landkreis, also aktuell an maximal 105 Biotopen. Davon wurden ca. 45% der Individuen südlich und ca. 55% nördlich der Donau gefunden.
Im Jahr 2012 konnte ich noch einige weitere bisher mir unbekannte Biotope auf­fin­den. Zudem sind wieder einige Biotopneuanlagen entstanden. In 2012 waren mir somit 116 Biotope bekannt, die ca. 3.000 adulte Tiere umfassten. Aktuell sind es ca. 125 Biotope i.d.R. mit Reproduktion mit ca. 3.200 Adulten — wobei aber fest­zustellen gilt, dass selbst an scheinbar idealen Stellen nicht jedes Jahr Reproduktion statt­findet. So können z.B. die Schafherden die Tümpel aussaufen (z.B. NSG Kreut, Steinbruch Hütting, Steinbruch Mauern), die Hüpferlinge nicht rechtzeitig fertig werden (z.B. Rotkiesgrube südlich Oberhausen), oder die Biotope nicht mehr optimal sein da sie zuwachsen oder mit zu vielen Prädatoren besetzt sind. Dann sollte im nächsten Jahr nachgearbeitet werden. Fahrspuren stellen meist die besten und stabilsten Reproduktionsgewässer dar wenn sie regelmäßig durchfahren werden!

Große (Meta-)Populationen existieren in den Bereichen:

  • südlich der Donau: Kreidebruch Oberhausen (ca. 350 Individuen), NSG Kreut und IVG (Tanklager)(ca. 150), Altwasser „Alte Rinne“ und Weveldschütt westlich unterhalb des Steppberges (ca. 500).
  • nördlich der Donau: Steinbruch Hütting (ca. 350 Individuen), Steinbruch Mauern (ca. 250), Grube Schaflache (ca. 100), Grube Pfaffengrund gesamt (ca. 150), unterhalb NSG Finkenstein — Hangfuß (ca. 120).

2011 und 2014 kam der Regen erst spät, so dass die letzten Hüpferlinge an einer neu ange­legten Pfütze diese erst am 30.09.2011 verlassen haben. Im Jahr 2014 konnten die letzten Hüpferlinge noch Mitte Oktober nachgewiesen werden.
Ab 2011 konnte eine weitere Westausbreitung im Staatsforst am Hainberg und erstmals eine erfolgreiche Unkenreproduktion in der Kieselerdegrube nord­westlich Riedensheim (ca. 200 Hüpferlinge) registriert werden. Damit wurde verlorenes Gebiet erfolgreich durch eigenständige Besiedlung zurückgewonnen, auch wenn es in der Grube Riedensheim ca. vier Jahre gedauert hat.

Das Jahr 2012 war sehr lange und insgesamt viel zu trocken. Es konnte daher bei einigen der besten Biotope kein bzw. nur geringer Nachwuchs verzeichnet werden (z.B. in den Steinbrüchen Mauern und Hütting). Teilweise haben die Kiesel­erde­abbaugruben die ansonsten schlechten Ergebnisse ausgeglichen. Auch das „natürliche Vorkommen“ in der Alten Rinne hatte zusammen mit dem daran entlang führenden Waldweg ein hervorragendes Reproduktionsergebnis.
Weitere Metapopulationen zeichnen sich ab 2012 im FFH-Gebiet Attenfeld, in der Lehmgrube Attenfeld (droht verfüllt zu werden), in der Kieselerdegrube bei Riedensheim und in der Rotkiesgrube bei Oberhausen ab.
2012 konnte ich noch einige weitere bisher mir unbekannte Biotope auffinden. Zudem sind wieder einige Biotopneuanlagen entstanden. 2012 waren mir somit 116 Biotope bekannt, die ca. 3.000 adulte Tiere umfassten.

Wesentliche Bestandsstützen sind die Kieselerdeabbaugruben am Hainberg und die Biotopanlagen durch den Abbauunternehmer Manfred Hoffmann (Hoffman Mineral und Sonax).

Das Frühjahr 2013 zeichnete sich als total nasses und zu kaltes Halbjahr ab. Es regnete ununter-brochen und es kam teilweise zu verheerenden Überschwemmungen. Anfang Juni endeten die Regenfälle und es schloss sich wochenlag heißes und trocke­nes Wetter an. Viele Gewässer vertrockneten darauf hin. Bei wenigen Gebieten schafften es die Unken nicht bis zur Entwicklung zum Hüpferling. Es gab keine späte Laichphase und die Hüpferllinge gingen früher als in den Vorjahren an Land. Die Reproduktion war insgesamt geringer - aber besser verteilt. Die Bestände am Hain­berg könnten durchaus auch höher gelegen haben, da sich in vielen austrocknenden Lachen die Unkenhüpferlinge bereits verteilt haben. Das Gesamtergebnis kann daher durchaus an das von 2012 heranreichen. Die Überschwemmungen haben teilweise Fische in die Auen-Biotope eingetragen (vor allem Stichlinge). Dies führte zu manchen Totalausfällen - auch in Neuanlagen des Jahres 2013. Obwohl weiterhin Biotop-Neuanlagen stattfanden und bestehende Biotope immer wieder optimiert werden, scheint eine Bestandssättigung erreicht zu sein. Eine weitere Bestands-ausdehnung gestaltet sich nach meiner momentanen Einschätzung als sehr schwierig. Im NSG Kreut stellt die Schafherde in trockenen Jahren ein Problem dar, da sie die Tümpel aussäuft und die Hüpferlinge zertrampelt. Wir haben daher begonnen, einige Bereiche abzuzäunen. Da 2013 fast alle Unkenbiotope ausgetrocknet sind, wurde das Jahr 2014 in Bezug auf die Reproduktionsquote erwartungsgemäß ein besseres Jahr. Wenige Hüpferlinge schafften eine frühe Entwicklung und gingen Ende Juni Anfang Juli an Land. Da in 2014 erst ab Mitte Juli große Regenmengen vom Himmel fielen, fand fast die ganze Reproduktion spät statt.

Kosten, beispielhaft für das Jahr 2011 (Bund Naturschutz), speziell für den Unkenschutz

Für 44 Unkentümpel an 13 verschiedenen Stellen wurden ca. 1.000 € aus­gegeben (Maschineneinsatz). Der Pflegeeinsatz wird ehrenamtlich erbracht, d.h. Perso­nal­kosten fielen nicht an.

Seit 2013 werden die Maßnahmen von der Regierung von Oberbayern (über das Landratsamt) als sogenannte Kleinstmaßnahmen im Rahmen der Landschaftspflege bezahlt. Im diesem Rahmen ist eine 100% Förderung möglich!

Kosten für die Maßnahmen allgemein

Kosten für Radbagger: 55 €/Stunde netto (Stand 2013).

Um den Bestand im Landkreis stabil zu halten, sind in Zukunft m.E. alle zwei Jahre höchstens ca. 700 € erforderlich (Kosten für den Maschineneinsatz, mit ehren­amt­lichen Helfern).


Auch einmal ungewöhnliche Wege gehen

  • Tümpel sollen aussehen, als ob eine Bombe eingeschlagen hat — großer Struktur­reichtum ist wichtig. Schönheit im menschlichen Sinne spielt keine Rolle; von diesem Bild sollte man sich schnellstens verabschieden.
  • Die beste Zeit zum Ausbaggern der Tümpel ist Ende April/Anfang Mai — dann können vor der Laichperiode der Unken keine Prädatoren (Fressfeinde) „ein­ziehen“, die Unken können den Biotop sofort optimal besiedeln.
  • Tümpel können durchaus auch einmal nachgebaggert werden. Wenn die Fläche nicht reicht, können sie auch wieder verfüllt werden, wenn sie „unbrauch­bar“ geworden sind, und im Turnus im nächsten Jahr neu entstehen.
  • Manchmal sind mehrmalige Bagger-Einsätze notwendig, bis die Tümpel optimal sind. Sie können zu klein, zu flach, an einer falschen Stelle sein, oder bei ex­tremem Pech auch alle „Trockentümpel“ werden. Dann kann immer noch überlegt werden, ob man Folien einsetzt. Kosten für drei Flachtümpel mit 50—70 qm: ca. 700 €. Für die hochbedrohten Pionierarten sind m. E. Folien durchaus vertretbar, wenn auch nicht die erste Wahl.
  • Fahrspuren, die lange genug durch entsprechende Verdichtung das Wasser halten, sind die besten Unkenbiotope. Durch Absprache mit Förstern sollten neue Fahrspuren aktiv angelegt, bzw. bei Arbeiten im Wald mit schwerem Gerät gezielt mit eingeplant werden. Auch ein aktives Fahrspurmanagement ist möglich!

... und wenn es eimal nicht so klappt wie gewünscht: nicht entmutigen lassen und weiter machen!


Fazit und Ausblick

Die Maßnahmen erwiesen sich als sehr erfolgreich. Die Gelbbauchunken­bestände konnten nicht nur stabilisiert, sondern vergrößert werden; insbeson­dere die Reproduktionsrate (Anzahl der jährlich metamorphosierten Tiere) konnte erheblich gesteigert werden. Allerdings sind weiterhin Artenhilfs­maßnahmen erforderlich:

  • Infolge der Sukzession müssen immer wieder neue Laichgewässer geschaffen oder vorhandene optimiert werden (Faustregel: alle drei Jahre).
  • An den Rändern der alten Nachweisgebiete sind die Bestände immer noch ausgedünnt bzw. nicht mehr vorhanden:

    • Ried und Joshofen (keine Nachweise)
    • Ausgedünnte Vorkommen im Staatsforst — Unterhauser/Sehensander Forst; Unken erreichen nicht mehr Sinning
    • Ausgedünnte Vorkommen um Straß (hier finden aktuell Maßnahmen statt, die eine Verbesserung erkennen lassen)
    • Gebiet nordwestlich Rennertshofen: keine Reproduktion der Unken
  • Schwankungen im Bestand müssen einkalkuliert werden und sind ganz normal!

Aber ab 2011: weitere Westausbreitung im Staatsforst am Hainberg und erstmals erfolgreiche Unkenreproduktion in der Kieselerdegrube nordwestlich Riedensheim (ca. 200 Hüpferlinge). Damit wurde verlorenes Gebiet erfolgreich durch eigenständige Besiedlung zurückgewonnen, auch wenn es in der Grube Riedensheim ca. vier Jahre gedauert hat.

Weitere Metapopulationen — ab 2012 folgende — zeichnen sich ab im FFH Gebiet Attenfeld, Lehmgrube Attenfeld (droht verfüllt zu werden), FFH Gebiet ehemalige Kieselerdegrube Hütting, Kieselerdegrube bei Riedensheim, Rotkiesgrube bei Oberhausen und Neufund Nähe Tierheim auf einer Abholzungs-/Aufforstungsfläche mit vielen Fahrspuren.

Wesentliche Bestandsstützen sind die Kieselerdeabbaugruben am Hainberg und die Biotopanlagen durch den Abbauunternehmer Manfred Hoffmann (Hoffman Mineral und Sonax).

Einige Biotope (nicht alle) müssen jährlich gemäht und/oder freigeschnitten werden. Für die Unkenbiotope fallen ca. 150 Stunden an Pflegeeinsatz an. Es kann auch mal weniger sein.

Probleme treten immer wieder auf; z.B. war im Frühjahr 2011 durch die extre­me Trockenheit zwar das Pflanzenwachstum stark eingeschränkt, d.h. es war wenig Pflege notwendig. Viele Tümpel waren aber lange ausgetrocknet, so dass den Unken in dieser Zeit deutlich weniger Laichgewässer zur Verfügung stan­den. Erst die Ende Mai einsetzenden starken Regenfälle ermöglichten den Unken eine trotzdem noch sehr erfolgreiche Reproduktion mit einer großen Zahl am Hüpferlingen.

Trockenheit kann sich aber auch positiv auswirken: Wenn es nach einer länge­ren Trockenperiode wieder regnet, sind die Predatoren in den — zwischen­zeit­lich trocken gefallenenen — Tümpeln verschwunden; bleiben die Tümpel dann sechs bis acht Wochen gefüllt, können sich die Unken optimal vermehren.

Sollte es längere Zeit nicht oder zu wenig regnen, lässt sich dem dadurch begeg­nen, dass bei jedem Unkenbiotop so viele Tümpel wie möglich mit verschiede­nen Tiefen angelegt werden (aber nicht zu tief — Erfahrungswerte sammeln!), damit in allen Jahren wenigstens in einigen Tümpeln Reproduktion möglich ist. Eine Kontrolle ist dann unerlässlich. Es sollte daher für die Gelbbauchunke (und die anderen Pionier­arten Kreuzkröte und Wechselkröte) ein Betreuer pro Landkreis eingerichtet werden, analog der Biber- oder Storchenbetreuer.


... und noch ein Hinweis am Schluss:

Nicht nur die Unkentümpel brauchen „Nachschau“! — Gut zwanzig Jahre nach der ersten Tümpelbauwelle durch die Naturschutzverbände sollten alle „alten“ Tümpel kontrolliert werden. Bei uns stellte sich heraus, dass viele zugewachsen waren und es notwendig geworden war, die Tümpel wieder nachzubaggern und ggf. auch freizuschneiden. Wird das nicht getan, sind die Tümpel der weiteren Sukzession unterworfen und werden für alle Amphibien als Reproduktions­gewässer mehr oder weniger unbrauchbar.

Die Sukzession ist zwar ein natürlicher Prozess. Wegen der fehlenden natür­lichen Dynamik entstehen aber praktisch keine Gewässer mehr auf natürlichem Wege neu. Es ist daher immer noch besser, die Sukzession aufzuhalten, als alles beschattet und verwachsen vorzufinden — ein Urwald gedeiht nicht auf einem Hektar. Größer sind diese Flächen nämlich meist nicht — eher sind sie noch kleiner.

Also ran an´s Werk — dann haben Sie wieder für 20 Jahre Ruhe, und die Amphibien, Reptilien, Libellen usw. werden es Ihnen danken!


Ansprechpartner für Fragen zu den Artenhilfsmaßnahmen:

Karlheinz Schaile
Augustusstr. 18
86343 Königsbrunn
Tel. 08231/33184
E-Mail: karlheinz.schaile@web.de



interner Link Abbildungen zu den Maßnahmen 

 

Text: K.-H. Schaile
Redaktion: Th. Dürst
Fotos: Th. Dürst
letzte Aktualisierung: 30. Dezember 2014